Die Veränderung beginnt in mir – meine Lehrstunde

Wissenswertes | "Jede Veränderung beginnt in uns ."(Dalai Lama)

“Jede Veränderung beginnt in uns .”(Dalai Lama)

Meine Tochter fand es eine geraume Zeit lang lustig, jeden Tag, immer und immer wieder, Spielsachen in den Trinkwassernapf unserer Hündin zu werfen. Ich fand es alles andere als amüsant, schließlich durfte ich die Wasserlachen auf dem Boden aufputzen und das Trinkwasser austauschen – und das mehrfach am Tag. Ich fing an, meiner Tochter jedes Mal eine Standpauke zu halten. Doch wenn meine Tochter eines beherrscht, dann ist es Standpauken über „was man tun darf und was nicht“ einfach vollkommen zu ignorieren und es dennoch zu tun. Also tat sie es weiterhin, immer und immer wieder. Mein Geduldsfaden verwandelte sich in eine Zündschnur. Ich wurde laut und brüllte sie an: „Es reicht jetzt, hör endlich auf damit.“ Innerlich fing in mir ein Dialog an: „Gut so, sie geht zu weit, nur so kann sie es verstehen.“, „Aber du kannst doch dein Kind nicht so anschreien, das arme Kind. Wie kannst du nur.“ Ich fühlte mich zerrissen, schuldig und frustriert. Ich wusste einfach nicht, was ich tun sollte, damit sie aufhört.

Ich realisierte, das Lautwerden wahrlich nicht die Lösung ist, schließlich änderte das so gar nichts an der Situation. Also nahm ich mir eine andere Vorgehensweise vor: Carina, die Sachliche. Es ließ nicht lange auf sich warten und meine Tochter warf wieder ein Spielzeug in den Trinkwassernapf unserer Hündin. Ich kniete mich zu meiner Tochter und fing an, ihr ganz sachlich zu erklären: „Sieh mal, aus dem Napf trinkt unsere Hündin. Wenn Spielsachen darin liegen, kann sie nicht mehr daraus trinken. Zudem schau mal, jetzt ist alles drum herum nass, du könntest darauf ausrutschen und dir weh tun und ich muss es jetzt aufputzen. Also lass es bitte in Zukunft und halte dich vom Wasser fern.“ Während ich nach meiner Moralpredigt das Ganze aufputzte, feierte ich mich innerlich: „Carina, 1 plus mit Sternchen…pädagogisch astrein. Jetzt habe ich ihr alles erklärt, sie hat es verstanden und kann sich daran halten.“ Für mich war das Thema damit erledigt……..bis…….ich aus dem Seitenwinkel sah, wie sie wieder mit einem anderen Spielzeug zum Trinknapf rannte und es wieder tat…….Ich war fassungslos: “What? Im Ernst? Kann ja wohl nicht wahr sein!“, „Ok Carina, durchatmen, dann erkläre ich es ihr nochmal.“ Also spielten wir die Prozedur wieder durch…und wieder… und wieder. Es änderte sich nichts.

Ich brauchte einen neuen Plan. Ich zog für mich Bilanz: Laut werden half nichts, reden half nichts. „Mmmmh, vielleicht hilft es, wenn ich das einfach ignoriere und ihr in dem Moment keine Aufmerksamkeit schenke.“ Gedacht, getan. Habt ihr schon einmal probiert, ein Kind zu ignorieren, dass Aufmerksamkeit sucht?….Das war also auch nicht die Lösung.

Ich entschied mich, es nochmal auf eine ganz andere Art und Weise zu versuchen. Der Weg über mein Inneres. Meine Tochter warf wieder ein Spielzeug in den Trinkwassernapf unserer Hündin. Ich schaute hin und nahm es wahr. Dann schloss ich meine Augen und nahm mich wahr. Was passiert da in mir? Mir wurde bewusst, welche Kette an Gedanken und Gefühle die Situation in mir auslöste. Ich war über meine eigenen Gedanken und Gefühle erschrocken. So mochte ich weder denken noch fühlen und schon gar nicht jeden Tag. Aber ich akzeptierte erst einmal, dass es gerade so war und blieb bei meiner Beobachtung. Danach lenkte ich mein Bewusstsein auf Gedanken und Gefühle, die sich für mich gut anfühlten. Ich blieb so lange darauf fokussiert, bis ich spürte, dass ich innerlich ruhig und friedlich wurde und ich mich gut fühlte. Ich öffnete meine Augen, ging ohne auch nur ein belehrendes Wort zu meiner Tochter zu sagen, an den Trinkwassernapf, nahm das Spielzeug heraus und putzte das Wasser vom Boden auf. Ich war innerlich ruhig und friedlich. Was dann geschah, prägte meine Sichtweise sehr: Meine Tochter drehte sich um, ging ins Wohnzimmer und… tat es nie wieder.

Kommentare

Eine Antwort zu „Die Veränderung beginnt in mir – meine Lehrstunde“

  1. Avatar von Cali
    Cali

    Das kenne ich nur zu gut! Schön, dass du da für dich einen guten Weg gefunden hast ♡

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